NICHTS DAVON STEHT FEST [1/2]

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1.

aus dem Inneren des silbern glänzenden Berges zwischen Charleville und Aden hört man schwach das schleppende Geräusch von Dampfmaschinen

ein heiss-wässriger Dampf entfährt aus einer der Öffnungen des Tunnels der sich in kleinen flockigen Partien zu Wolken verdichtet

die in der gleissenden Sonne materialisieren und sogleich wieder sich auflösen

überall handelt man mit Bergkristallen oder seltsam anmutenden Stücken von Mineralien
die man unten in der Stadt für einen weitaus höheren Preis wieder verkauft

aber bei Schnee und zu Fuß den Pass zu überqueren ein solcher Vorsatz dass einem an Bart und Augenbrauen Eiskristalle richtige Zapfen anwachsen ist keine Kleinigkeit

die Schusswunde am Handgelenk glüht in der Eiseskälte

man bildet Gruppen die einzige Möglichkeit weiter zu kommen die richtungsgebende Wärme des Nebenmannes aufgreifend sich aufmunternd in fremden Sprachen haben alle das gleiche Ziel

unter der Kraft der Schritte neigt sich der Horizont

eine Wand aus frischgefallenem Schnee worin man bis zu den Schultern eintaucht

ein paar Jahre liegt der Aufstand zurück bei dem mehrere Arbeiter getötet wurden mehr als fünftausend die sich mit Schwarzpulver und Pickel durch den Berg frassen

jede Generation hat ihre Empfindlichkeiten

dieser monotone allgegenwärtige Schneefall den die Geräusche aus Schlucht und Tunnel wie in einem Fiebertraum vielfach trocken und dumpf durchdringen

 

 

∗ ∗ ∗

 

 

2.

eine ganze Welt versunken in Schnee und Eis

unmöglich den Blick vor diesem Weiß dieser Leere zu heben vor der man gebannt erstarrt

und sich fragt wie es weitergehen soll

ein Pferd auf der Seite von den Strapazen der Arbeit dahingerafft (eines der vielen) das große Auge in Agonie den Blick in sich gekehrt

still nichts fordernd nichts fragend wissend

ein paar Jahre liegt der Aufstand zurück es gab nicht nur Erschiessungen im Luxembourg sondern überall wo man eine Mauer fand

Soyez réalistes, demandez l’impossible liest man an den Wänden

in der Herberge bekommt jeder der Reisenden Suppe Brot Käse ein Glas Schnaps
Strohbündel zum Niederfallen Schlaf im Nu

Hier sind wir!

seit einiger Zeit schon den Blick nur aus ungünstigen Positionen

eingeschwollener Hals Stimme und Schatten versagen
du bist ein Nichts unter deiner weissen Krone

die Ruhe am nächsten Morgen unter dem weissen Glitzern der Sonne werden die grossen Siege durch die ganz kleinen vorbereitet

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